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10-jährige Kinder, die wortwörtlich schneller Kriminalfälle lösen, als die Polizei erlaubt, sind spätestens seit Enid Blytons 5 Freunde nichts Neues mehr. Auch TKKG, Die Knickerbrockerbande und/oder Die drei ??? sind so gut, wie jedem ein Begriff und haben uns alle einst in der Jugend begeistert und fasziniert.
Was also ist an der kleinen Flavia de Luce so anders? Was hebt sie ab von all den oben genannten Serien und Superdetektiven?
Die Antwort ist einfach, wie prägnant: Alles.

Die 9-jährige Flavia lebt zusammen mit ihren beiden Geschwistern, ihrem Vater, dem Gärtner und der Haushälterin in einem großen englischen Herrenhaus um das Jahr 1945. Das einzige, was ihren Alltag versüßt, sind die Gespräche mit dem Gärtner und Kriegsveteranen Dogger und die Streiche, die sie ihren verhassten, aber doch irgendwo geliebten Schwestern spielt. Und noch etwas. Die für ihr Alter schon viel zu erwachsene Flavia ist leidenschaftliche Chemikerin, die mal eben aus dem Hut die Strukturformel von Arsen oder Natriumphosphat zaubern kann. Und es auch tut.
Chemie ist ihr Leben. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie das große Chemielaboratorium von einem ihrer Vorfahren im obersten Stock des Hauses für sich beansprucht und dort auch die meiste ihrer Zeit verbringt.

Doch alles schwingt plötzlich um, als ein Toter im Garten gefunden, ihr Vater dieses Mordes beschuldigt und verhaftet wird. Überzeugt von der Unschuld ihres Vaters und verzweifelt über die Ignoranz der meisten Erwachsenen gegenüber 9-jährigen, entschließt sich Flavia kurzerhand, selbst herauszufinden, wer der Mörder ist und ihren Vater so zu entlasten. Dabei erfährt sie unweigerlich mehr, als ihr lieb ist über die Vergangenheit ihres Vaters und ihrer Familie. Und was hat der Tote Vogel mit der Sache zu tun, der gestern Nachmittag, mit einer Briefmarke am Schnabel, vor der Tür lag?

Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet ist ein Buch, wie man es selten findet. Eine junge Detektivin wider Willen, ein Geheimnis, dass jemandem seit Jahrzehnten nicht ruhen lässt und eine Vergangenheit, die jemanden wieder einholt, sind die Komponenten für diese sowohl spannende, als auch smarte und intelligente Geschichte.
Auf jeder Seite des Buches kann man die Leidenschaft für die Figur und den Spaß an dem Schreiben des Buches vom Autor Alan Bradley lesen. Bradley liebt seine Geschichte und seine Figuren darin. So ist es gar nicht verwunderlich, dass er den „Dagger Award“ für Flavia bekommen hat… und zwar für nur ein Kapitel.

Aber was macht das Buch nun anders, als oben genannte Serien?
Zum einen ist da einmal die Zeit in der die Geschichte spielt. Keine Handys, keine hochwissenschaftlichen kriminologischen Möglichkeiten, wie in CSI. Das macht das Buch zu einer klassischen Krimi-Geschichte, im Sinne von Sherlock Holmes. Hier wird noch ermittelt, befragt und gedacht. Es gibt keine High-Tech auf die man sich verlassen kann, sondern nur Hirnschmalz… und eben Chemie. Beides besitzt und nutzt Flavia reichlich.
Und die Heldin, die alleine arbeiten muss.
Flavia ist auf sich und ihr brillantes Hirn alleingestellt. Allein in einer großen, erwachsenen Welt, die es einem Kind oft nicht einfach, aber manchmal auch zu einfach macht. Einerseits ist Flavia immer noch kindlich naiv, andererseits erwachsener, als es sich für eine so junge Dame gehört. Und das weiß sie zu nutzen. So entsteht schnell der Eindruck, eines naiven Film Noir, der allerdings weniger dunkel ist, als man es aus Genrekollegen kennt.

Flavia De Luce wird noch ganz groß werden. Sie und Bradley haben gezeigt, was sie können und das hat mich vollends überzeugt.
Jenen, die nicht vergessen möchten, wie es war, ein Kind zu sein und jenen, die Krimis in einem ganz klassischen Stile zu erleben, denen sei „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet“ wärmstens ans Herz gelegt.

Bewertung: 4/5

Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet – Alan Bradley
384 Seiten, Penhaligon Verlag
ISBN 978-3764530273, 19,95 €
Gebundene Ausgabe

One Response to “Rezension: Alan Bradley: Flavia De Luce – Mord im Gurkenbeet”

  1. Diesmal gilt es für Flavia gleich zwei verzwickte Morde aufzuklären. Mit „Mord ist kein Kinderspiel“ legt Alan Bradley einen charmanten Krimi für alle Altersgruppen vor, der durch seine liebenswerten, skurrilen Charaktere und seinen rabenschwarzen, britischen Humor besticht.

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