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Alle Jahre wieder geht’s für mich auf die Leipziger Buchmesse. Hier will ich Bucher sehen, Leute treffen und Autoren hören.
Wie es dieses Jahr war, erfahrt ihr hier!

[05:00] Wecker klingelt. In einem Anflug von grenzenloser Genialität habe ich gestern noch einen zweiten Wecker auf 05:30 gestellt. Der hier wird also gepflegt einfach ausgemacht. Noch ne halbe Stunde schlafen…

[05:12] Muddern kommt reingestürm. Sie versprüht einen Hauch von Panik; die Lautstärke, mit der sie die Tür öffnet (eine Lautstärke, die nur Mütter zu erzeugen fähig sind) tut ihr übriges.
„Chris, Dein Wecker hat geklingelt. Will ja nicht, dass Du verschläfst“
Setze zu einer zynischen Erklärung an, die ihr gleichzeitig vermittelt, dass die moderne Technik dazu fähig ist, einen zweiten Wecker zu stellen und selbst die Snooze-Taste mit mehr als 12 Minuten gegeben hätte, ohne mich verschlafen zu lassen. Heraus kommt:
„Vjoxrighyjcvnlyjrhgfyuvbjfbg!“
„Hä?“
„Ja, danke. Ich hatte die Schlummertaste gedrückt.“
„Achso.“
Das Licht im Zimmer wird angeschaltet.

[05:12;52] Okay okay… Muddern hat gewonnen. Ich mag sie ja. Das muss ich vielleicht dazu sagen.

[05:54] Sitze frisch geduscht, rasiert und gekämmt vor meinem PC. Die duftende Tasse alten Kaffees von gestern steht vor mir. Die duftende Tasse mit dem neuen Kaffee von heute daneben.
Scrolle mich durch Twitter und schaue, ob ich jemanden und wen ich heute auf der LBM treffen werde. Die Anmeldeliste zum Tweetup um 12:30 sieht vielversprechend aus. Dabei ist unter anderem auch die @Nellenfux, mit der ich mich schon länger endlich einmal treffen wollte.
Die @Buchkolumne hatte kurzfristig mitgeteilt, dass sie zu viele Termine hätte. Macht nichts – wir treffen und schon. Sie ist halt wichtig. Ein Star. Und ich kenne sie. MUHARHARHAR *räusper*
Noch ca. 1,5h bis ich am Treffpunkt mit der Mitfahrgelegenheit sein muss.

[06:37] Esse einen McDouble von gestern, den ich in der Microwelle warm gemacht habe. Fragt einfach nicht…

[06:48] Der McDouble ist ein Arsch. Er rächt sich.

[06:55] Es geht mir wieder besser. Wieder siegt der Geist über den Körper. Ich bin ja manchmal sowas von Zen.

[07:15] Ich mache mich auf den Weg. Muss vorher noch zur Bank und dann zum Treffpunkt. Es sind mindestens 2 Mädels im Auto. Vielversprechend.

[08:05] Sitze in einem Auto mit drei Mädesl und einem Typen gestapelt. Die drei Mädels sind Japanofans, es läuft überlaut ein USB-Stick voller Anime-Intros. Einige kenne ich, wie die von Pokémon, Detektiv Conan und Digimaon. Ich schäme mich. Die drei Mädels gehen dazu voll ab.
Der Typ ist gefühlte 2,50m Höhe auf 50cm Breite groß, sitzt aber da, als wäre er alleine auf der Rückbank. Mache Bekanntschaft mit seinem Ellenbogen, Knie, seiner Schulter. Na Hauptsache er sitzt bequem. Er will nur nach Berlin, soweit ich das verstanden habe. Ha! Sind ja nur 2h eingequetscht zwischen nem Typen, nem Mangamädchen und Anime Soundtrack…

[10:13] Fühle mich wie das Wutkissen eines Cholerikers. Aber der Typ ist weg und wir sitzen bequem. Die Sonne scheint. Alles wird gut.
Animemusik aus dem Radio.

[10:36] Autobahn. Endlich. Laut Navi schaff ich‘s knapp zum Tweetup. Sonne scheint immernoch. Animemusik tüdelt immernoch.

[12:15] Wird verdammt knapp zum Tweetup. Habe per Hashtag geschrieben, dass ich 5 Minuten später komme und man eventuell warten möchte. Animemusik… na ihr wisst schon.

[12:34] Ich stürme die Treppe zur Halle 4 nach oben. Beim Stand der Frankfurter Buchmesse soll das Treffen sein. Habe Animemusik im Kopf.

[12:50] Ich finde keinen. Also auch nicht den Stand. Als ich ihn gefunden habe, sehe ich erstmal keinen. Simse die @Nellenfux (Klaaudi) an.
Ich: „Wo bist Du?“
Sie: „Am Stand der Frankfurter Buchmesse.“
Ich: „Da bin ich auch. Ich seh Dich nicht.“
Sie: „Bei der Suppe.“
Ich: „SUPPE!? Ich seh nur Auflauf. Menschenauflauf.“

Nach einigem hin und her haben wir uns dann schließlich doch gefunden. Allerdings niemand anderen. Zumindest waren sie nicht als die Tweetup-Gruppe zu finden. Schulterzuckend gehen wir zu zweit los und wollen uns erst einmal einen groben Überblick über die Ausstellung verschaffen.
Eine halbe Stunde später sitzen wir in der Buchhändler Launch (fühle mich wichtig), trinken Kaffee und unterhalten uns angeregt über – na was wohl? Genau. Bücher. Und wie! Es geht quer durch die Literatur der letzten 30 Jahre und durch fast jedes Genre. Vergleiche werden gezogen, Kritiken ausgesprochen, Meinungen gebildet. Es war für mich das erste Mal, dass ich mich ausgiebig mit einem Buchhändler über die gemeinsame Passion unterhalte und so gingen in einem gefühlten Wimpernschlag  zweieinhalb Stunden vorüber. Wow. Allein jetzt hatte sich die Buchmesse schon gelohnt.

Ich schreibe der @Buchkolumne (Karla). Ich weiß, sie hat viel zu tun und ist gefragt, wie nie auf dieser LBM, aber ich versuche es dennoch. Auch Klaudi möchte sie gern treffen. Wir haben Glück. In eineinhalb Stunden hat Karla etwas Luft und wir verabreden uns prompt bei der Fantasyinsel in Halle 2.
Ja. Halle 2.
Wer jemals auf der LBM war, weiß, warum Halle 2 berühmt berüchtigt ist. Diese Halle ist die mit Abstand meist besuchte. Das liegt vor allem wohl an dem Anime-/Manga-Abteil, aber auch Fantasy- und Jugendbücher tun hier ihr Übriges. Selbst heute, an einem Freitag ist hier schon verflixt viel los. Samstags bekommen hier die Begriffe „Völkerwanderung“ und „Klaustrophobie“ eine neue Bedeutung.
Wie Köpfe ohne Huhn, rennen Klaudi und ich durch die Halle. Bevor wir die Insel überhaupt finden, haben wir wohl alles andere dort unfreiwillig schon gesehen. Wir warten, denn wir sind trotzdem etwas zu früh dran.
Neben uns geben Namenhafte Autoren, wie Bernhard Hennen und Kai Meyer Autogramme aus; eine Jungautorin liest aus ihrem ersten Buch auf der Insel, keine Spur von Karla.
Dann eine SMS. Wir treffen uns man schwarzen Sofa. Gesagt getan. Und so sehe ich auch endlich einmal die @Buchkolumne wieder. Sie ist gestresst und fix und alle. Und hat noch einen Sack voll Termine vor sich. Langsam wird mir klar: Diese junge Dame ist nicht nur gefragt, sie ist schon fast so etwas, wie ein Shooting Star. Ich freue mich für sie. Kurz erklärt sie uns, was sie im Auftrage von Lovelybooks macht:
Sie stellt Verlagen und Autoren das Social Reading vor. Die Sache ist groß im Kommen. Gerade seit Kindle, Oyo und Co, in Verbindung mit Twitter, Facebook und eben auch Lovelybooks ist es schwer angesagt, noch während des Lesens Erfahrungen und Gedanken zum Buch oder nur ein paar Stellen darin zu teilen. Viele E-Books unterstützen das schon und laut Karla ist das Ganze auch extrem einfach für Publisher einzubinden. Also ziemlich attraktiv. Denn so ist es auch Autoren möglich, engeren Kontakt zu ihren Lesern zu halten, anders herum ebenso – sprich: eine Win-Win-Situation.
Ich weiß noch nicht, ob ich davon viel Gebrauch machen werde, denn ich lese gern allein, aber eine klasse Sache ist es allemal. Mehr Gedanken kann ich mir im Moment darüber nicht machen. Denn von allen Seiten sind Foren, Cosplayer und Musik zu hören. Es ist höllisch laut hier.
Karla muss los. Und auch Klaudi und ich machen uns wieder auf den Weg. Wir streifen noch ein wenig durch die Messe, schauen uns hier und dort ein paar Infos an und Klaudi sammelt Ideen für ihren Laden. Am Ende gehen wir ziemlich erschossen von diesem Freitag zum Bahnhof und machen es uns im McDonald’s bequem…

Fazit
Die LBM. Es ist so eine etwas schwierige Beziehung zwischen ihr und mir.
Warum?
Nun, die Messe ist – anders, als ihre Frankfurter Schwester – eine sehr publikumsnahe Veranstaltung. Sie ist nicht so sehr auf Fachbesucher ausgerichtet und entsprechend fühlt man sich als Laie, wie ich, sehr gut aufgehoben oder zumindest willkommen.
Andererseits ist genau das das Problem hier. Die LBM ist und bleibt überfüllt. Und das von Jahr zu Jahr mehr. Denn so langsam wird die geliebte LBM, auf der ich letztes Jahr noch Visitenkarten verteilt habe, zu einer Cosplay Convention. Gerade samstags sieht man mehr Narutos und Pokémons, als „normale“ Buchfans.
In besagte Halle 2 bin ich am Samstag nicht gekommen, weil der Durchgang dorthin einfach zu voll war. Schade. Denn dort waren einige interessante Lesungen angekündigt, denen ich gern beigewohnt hätte.
Meiner bescheidenen Meinung nach, muss die Messe ihr Konzept überdenken. Was will sie werden? Will sie Fachbesucher bedienen? Oder Publikum? Beides wird nicht mehr lange funktionieren. Zumindest nicht an ein und denselben Tagen. Und die Jugend in nur eine Halle zu pferchen wird auch über lang nicht gutgehen.
Die Bereiche mit den meisten Zuläufen benötigen mehr Platz und Luft. Während die Hallen mit der „erwachsenen“ Belletristik wie leer gefegt sind, ist die Halle mit Fantasy und Japan überfüllt, dass sich die Besucher stapeln müssen. Und mittendrin eventuell noch Cosplayer, die Flügel mit 1,5m Spannweite tragen…
Das zu planen und zu organisieren liegt in der Aufgabe der Veranstalter und nicht bei mir. Aber es muss passieren. Sonst verliert die LBM schnell für die eigentliche Zielgruppe – nämlich die Leser – an Reiz und man überlegt sich, ob eine 4-Stündige Fahrt und die Unkosten es überhaupt noch wert sind oder man das Geld nicht ggf. einfach für neue Bücher ausgeben möchte.
Ich mag die LBM und bis auf wenige Ausnahmen war ich jedes Jahr dort. Das wird sicher auch noch weiter der Fall sein. Dennoch hatte auch ich zwischenzeitlich diesen Gedankengang. Denn ich habe nicht eine Lesung gesehen, weil es mir an Zeit und Platz fehlte. Lesen geht nun einmal niucht schnell-schnell. Lesen ist nunmal kein Fastfood.

Dennoch schaue ich mit einem Lächeln auf die Tage zurück. Wenn ich an die LBM 2012 denke, denke ich an bunte Farben und tolle Menschen, eingebettet in viel Lärm.
Hoffen wir, dass zumindest die ersten beiden Dinge beständig bleiben.
Bis zum nächsten Jahr, Leipzig!

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