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Ich habe schon eine Menge Bücher gelesen. Längst nicht so viele, wie so manch anderer, aber ich denke, es ist dennnoch eine beträchtliche Anzahl. Darunter waren etliche Krimis und Thriller, Fantasy-Lektüren und Jugendromane. Und wer mich etwas kennt, weiß, dass ich ein Verehrer von H. P. Lovecraft bin und so zwangsläufig auch des Öfteren ins Horror-Genre schnuppere. Und in vielen davon ging es zum Teil wirklich arg brutal zur Sache.
Aber ohne mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, kann ich wohl behaupten, noch nie so ein Buch, wie „Dying to live“ von Kim Paffenroth gelesen.

Die eigentliche Story ist recht schnell zusammengefasst:
Eine Zombie-Seuche bricht aus und überrumpelt die Menschheit binnen weniger Monate. In nur noch kleinen Gruppen, oder allein – wie der Protagonist, haben sich die Menschen mehr oder weniger an die Umstände versucht anzupassen und fristen nun ihr Dasein im ständigen Kampf gegen die Untote Horde, die jeden Moment um die Ecke kommen kann und die an den Hals will. Wortwörtlich.

Kennt man alles schon. Sicher. Aus Filmen, wie „Dawn Of The Dead“ oder „Land Of Dead“ ganz sicher. Aber nicht umsonst hat der Autor seinen Roman unter anderem Romero gewidmet – dem Macher der oben genannten Filmmeisterwerke.
Doch das ist lange nicht alles.
Wie seiner Zeit Romero legt Paffenroth den Fokus auf die Stimmung der Erzählung. Und die ist verdammt dicht und noch bedrückender.
Das Buch ist keine Lektüre für zarte Gemüter. Ehrlich nicht. Wir haben zerplatzende Zombieschädel, offene Leiber, haben (un)tote Teenager und brutale Szenen. Und hierbei geht Paffenroth nicht zimperlich zur Sache. Ja. Aber was das Buch so stark macht, sind die so authentischen Schicksale der Personen, die man hier erlebt. Jene Schicksale, die mir abwechselnd eine Gänsehaut, ein Lächeln und dann wieder Tränen in den Augen beschert haben.
Mit jeder Person fühlt man mit, jede Minute dieser verdammten Apokalypse, die die Charaktere gelitten haben, kann man förmlich greifen. Und das ist es, was das Buch erst wirklich zu dem macht, was es ist. Das ist es, was das Buch so unvergesslich macht.
Kim Paffenroth macht aus einem Setting, das schnell sehr, sehr plump werden kann ein Werk, das den Menschen zeigt, wie er ist und wohl immer bleiben wird. Es ist Kritik an der Gesellschaft und dem Menschen und gleichzeitig das Zugeständnis, dass wir nun einmal so sind und immer so bleiben werden, ohne dabei eine gesunde Priese Sarkasmus zu vergessen, die es benötigt, um mit dieser Einsicht leben zu können. Einem Augenzwinkern, das es irgendwie einfacher macht.
Zombies hin oder her. In „Dying to live“ ist der Mensch, um den es geht. In all seinen Facetten.

Die meisten waren Weiße, aber es gab auch ein paar Schwarze, Latinos und Asiaten. Normalerweise taumelten sie nur durch die Gegend, ohne Notiz voneinander zu nehmen, aber ihr Hunger hatte sie in einer Weise vereint, die, wären sie alle noch am Leben gewesen, wirklich erstaunlich gewesen wäre. Die GAttung Mensch hatte endlich den Rassismus überwunden. Zu dumm, dass wir unseren Intellekt verlieren und uns in hirnlose Kannibalen verwandeln mussten, um das zu erreichen.

„Dying to live“ ist ein Pageturner. Aber nicht nur irgendein Pageturner, sondern der eine unter hundert.
Ein Buch, das man einfach nicht vergisst. Voll von Emotionen und Authentizität. Es ist eines dieser Bücher, die man ausgelesen hat und danach nicht gleich das nächste Buch zu Hand nehmen und lesen kann, weil man die Charaktere und die Welt, in der man gerade steckte, vermisst.
Man will zurück in diese Realität. Eine brutale, unbarmherzige und grausame Realität. Eine, die auch vor Kindern, schwangeren Frauen oder alten Leuten nicht halt macht. Es ist eine deprimierende Welt, die einem eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Eine Welt, die keine Fehler erlaubt, und dich – machst Du einen – nur im besten Falle mit dem Tod bestraft.
Doch diese Welt, die der Menschheit auch die Chance auf einen Neuanfang bietet, ist nicht nur plausibel, sondern strahlt eines aus, was in dieser, realen Welt viel zu oft vermisst wird: Hoffnung.

Wie man liest, kann ich bei dieser Rezension noch weniger, als sonst irgendwie objektiv bleiben. Zu viele Emotionen hängen als Erinnerung an diesem Buch. Ich habe gelacht, geweint und gezittert. Und alles in so kurzen Intervallen, wie schon lang nicht mehr.
Wer nur pure, harte Action will, sollte vielleicht zu einer anderen Lektüre greifen. Action hat „Dying to live auch, aber sie steht absolut nicht im Mittelpunkt und ist damit absolut keine leichte Kost.
Wer aber vor einem brutalem „So könnte es wirklich sein“ nicht zurückschreckt und ein paar Nerven besitzt, sollte sich das Buch unbedingt zulegen. Kauft es! Lest es! Liebt es!

Was gibt noch zu sagen? Ach ja:
Berwertung: 5/5

Kim Paffenroth – „Dying to Live – Vom Überleben unter Zombies“
Taschenbuch, 256 Seiten
Originaltitel: Dying to Live
Übersetzer: Doris Hummel
Verleger: Festa-Verlag
ISBN: 978-3-86552-091-3
Preis: 13.95 EUR
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One Response to “Rezension: Kim Paffenroth – "Dying To Live"”

  1. […] und das merkt jeder, der mit mir darüber redet. Doch neben all seinen Gefühlen, die „Dying to Live“ in mir Auslöste – Trauer, Bedrücktheit, Hochgefühle, usw. löste es etwas nicht aus. […]

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